Piraterie: Urheberrechtsverletzungen nehmen trotz schärferer Gesetze in Frankreich weiter zu

10.Mrz.2010 09:24 Uhr, von [st], Trackback-URL


Eine Studie von Forschern der Universität in Rennes zeigt die scheinbare Wirkungslosigkeit des französischen Three-Strikes-Gesetzes. Anfang 2010 ist das Gesetz in Kraft getreten und erlaubt deutlich umfangreichere Sanktionen, vor allem bei wiederholten Straftaten bzw. Urheberrechtsverletzungen. Filesharer irgnorieren das Gesetz aber bisher und die Piraterie nimmt auch in Frankreich weiterhin zu. P2P-Netzwerke werden aber verstärkt gemieden.

In ganz Europa erntete Frankreich viel Kritik für das HADOPI-Gesetz. Kritisiert wurde dabei der technische und juristische Aufwand für die Urheberrechtsverletzungen. Problematisch sind auch die alternativen Bezugsmöglichkeiten für Raubkopien, weshalb das Gesetz zwar aktiv P2P-Filesharing bekämpft aber Piraterie im Allgemeinen nicht. Entsprechend erwarteten Experten bereits im Vorfeld auch keine wesentlich positiven Effekte durch das neue Gesetz.

Mit dem Three-Strikes-Gesetz, besser bekannt als Hadopi 2 wurden die Abläufe nochmals geändert. Die Strafmaßnahmen für illegale Downloader werden jetzt direkt durch ein Gericht verhängt. Besonders prekär: Das Hadopi-Gesetz lässt die Unschuldsvermutung nicht zu, sodass letztlich der angebliche Täter selbst seine Unschuld gegenüber der Gesetzgebung beweisen muss. Das Gesetz sieht nach dreimaliger Abmahnung unter anderem die Sperrung des Internetzugangs für 1 Jahr vor. Auch empfindliche Geldbußen und Gefängnisstrafen erlaubt der gesetzliche Rahmen.

Die französische Bevölkerung zeigt sich bisher jedoch wenig beeindruckt. Die Studie ist mit 2.000 Befragten aus der Bretagne zwar keineswegs repräsentativ, zeigt jedoch trotzdem die mangelnde Wirkung einer solchen Gesetzgebung. Zwar nutzen jetzt weniger Menschen klassische P2P-Dienste wie BitTorrent, aber vergleichsweise viele Nutzer halten noch an dieser Form des Datenaustauschs fest. Die Forscher vermutet, dass viele Nutzer derzeit auf die ersten Urteile abwarten und dann ggfs. abwandern – nicht zur Freude der Musik- und Filmindustrie.

Denn die Piraterie passt sich wie befürchtet lediglich dem neuen gesetzlichen Rahmen an. Vor allem One-Click-Hoster wie Rapidshare erhalten immer mehr Zulauf, aber auch Streaming-Sites, die aktuelle Kinofilme direkt als Stream bereitstellen, werden immer beliebter. Die Forscher sind sich daher einig, dass der Druck auf die Piraterie-Szene lediglich dazu führt, die Anonymität weiter zu verbessern bis die Strafverfolgung keine Aussichten auf Erfolg mehr zeigt. Dieser Entwicklungsschritt wird jetzt begünstigt, sodass ein Ende der Urheberrechtsverletzungen für Musik- und Filmindustrie in weiter Ferne rücken.


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  • Gerhard, 03.05.2010 13:58 Uhr

    ich nehme an, dass auch die Usenet Provider von der Gesetzgebung in Frankreich profitieren. Denn im Usenet werden Downloads generell nicht protokolliert.

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