Rente mit 63: Mit diesen Abschlägen müssen Sie rechnen

Nicht jeder Arbeitnehmer kann oder will erst mit 67 Jahren in Rente gehen. Die Rente mit 63 und Altersteilzeit sind mögliche Optionen, früher in Rente zu gehen. Doch wer früher in Rente geht, muss teils drastische Abschläge (0,3 Prozent pro Monat) in Kauf nehmen. Das müssen Sie über den frühen Renteneintritt wissen.

Seit 2012 steigt das Rentenalter stufenweise von 65 auf 67 Jahre. Doch viele Arbeitnehmer sind nicht bereit so lange zu arbeiten, sondern möchten lieber mit 65 oder sogar 63 Jahren in Rente gehen. In etlichen Berufszweigen ist die Rente mit 67 auch einfach unrealistisch, denn gerade schwere körperliche Arbeit zieht gesundheitliche Folgen nach sich, aufgrund derer die Arbeitnehmer ihren Beruf überhaupt nicht mehr ausüben können, da ihr Körper nicht mehr mitmacht.

Laut GfK-Institut möchten 26 Prozent der deutschen Arbeitnehmer nicht erst mit 67 Jahren in den Ruhestand wechseln. Viele davon liebäugeln auch mit der Möglichkeit der Rente mit 63, die dank Altersteilzeit möglich ist. Doch die Rente mit 63 ist ohne Abschläge für kaum einen Arbeitnehmer möglich. Vor wenigen Tagen gab zu dem Thema einen spannenden Bericht bei ZDF WISO, petanews.de berichtete.

Rente mit 63 ohne Abschläge

Die Rente mit 63 soll es Arbeitnehmern ermöglichen, schon mit 63 Jahren den Ruhestand anzutreten, und das sogar ohne durch Abschläge verringerte Rentenzahlungen. Das ist allerdings nur in den seltensten Fällen tatsächlich möglich. Die abschlagsfreie Rente mit 63 erhält nur, wer mindestens 45 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Im Klartext bedeutet das, dass man nur abschlagsfrei in Frührente gehen kann, wenn man ab seinem 18. Geburtstag konstant rentenversichert war.

Folgende Zeiten werden für die Rentenversicherung angerechnet:

  • Normale Berufstätigkeit
  • Kindererziehung
  • Wehrdienst
  • Zivildienst
  • Kurzarbeit
  • Arbeitslosigkeit (Bezug von Arbeitslosengeld)
  • Geringfügige Beschäftigung

Natürlich gibt es auch Einschränkungen. Wer in den zwei Jahren vor Eintritt ins Rentenalter arbeitslos geworden ist, darf dies nur aufgrund von Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers geworden sein. Besonders hart trifft es auch Akademiker, denn diese können die abschlagsfreie Rente mit 63 komplett vergessen. Die Zeiten von Schule und Studium werden nämlich nicht für die Rentenversicherung angerechnet.

Mit 63 Jahren können derzeit nur Arbeitnehmer der Geburtsjahrgänge bis 1952 abschlagsfrei in Rente gehen und das natürlich nur dann, wenn sie bereits 45 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt haben.

Glückliches Paar früher in Rente

Früher in Rente bedeutet Abschläge bei der Rente

Wer früher in Rente gehen möchte, kann dies durchaus tun, muss jedoch mit Abschlägen rechnen, bekommt also weniger Rente ausgezahlt als er bei regulärem Renteneintritt bekommen würde. Grundlegend gilt, dass ein früher Renteneintritt nur dann möglich ist, wenn man mindestens 35 Jahre lang rentenversichert war. Darunter ist ein früherer Renteneintritt nicht möglich.

Früher in Rente zu gehen bedeutet, dass man weniger Rente bekommt. Das ist nur logisch, denn wer früher in Rente geht, zahlt kürzere Zeit in die Rentenversicherung ein und bezieht längere Zeit lang Rentenzahlungen. Die Abschläge sind natürlich gesetzlich geregelt:

Pro Monat vor gesetzlichem Renteneintritt wird die Rente um 0,3 Prozent gekürzt.

Bedeutet: Wer statt mit regulär 67 Jahren schon mit 65 Jahren in Rente gehen möchte, bekommt eine um 7,2 Prozent verringerte Rente (24 Monate * 0,3 Prozent = 7,2 Prozent).

Ob sich ein früherer Renteneintritt lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Dabei kommt es darauf an, ob die reduzierte Rente noch ausreichen würde. Experten empfehlen, dass die Rente etwa 85 Prozent des Nettoeinkommens betragen sollte. Die genaue Höhe hängt selbstverständlich von den Vorstellungen vom Ruhestand ab. Durch den Wegfall der Arbeit entsteht viel Freizeit, die man mit Reisen oder Hobbys füllen kann. Die Kosten dafür sollten in der Finanzplanung für das Rentenalter unbedingt mit einbezogen werden.

Mehr Rente durch längere Arbeit

Es gibt auch die Menschen, die auch mit 67 Jahren noch arbeiten können und wollen. Das Renteneintrittsalter ist keine Pflicht zum Renteneintritt. Wer möchte, kann auch noch länger arbeiten, was sich durchaus auszahlen kann, denn was die wenigsten Leute wissen ist, dass ein späterer Renteneintritt auch finanziell belohnt wird.

Im Gegensatz zur Frührente zahlen Arbeitnehmer, die über das Mindestrentenalter hinaus in der Rentenversicherung versichert sind, längere Zeit in diese ein und haben im Umkehrschluss verringerte Bezugszeiten. Die Zuschläge betragen 0,5 Prozent pro Monat, den man länger arbeitet.

Beispiel: Jemand geht statt mit 67 erst mit 68 Jahren in Rente. Dadurch erhöht sich seine zukünftige Rente um mindestens 6 Prozent (12 Monate * 0,5 Prozent = 6 Prozent).

Darüber hinaus ergibt sich noch ein weiterer Vorteil, denn während dieses Jahres zahlt er weiter Beiträge in die Rentenversicherung ein, wodurch sein grundsätzlicher Rentenanspruch ebenfalls steigt. Es lohnt sich also durchzurechnen, wie hoch der eigene Rentenanspruch sein wird und ob man früher in Rente geht oder, wenn möglich, noch ein paar Monate länger arbeitet und dafür statt einer deutlich verringerten eine stark erhöhte Rente zu bekommen.

Nachträglicher Wechsel zur abschlagsfreien Rente mit 63 unmöglich

Ein nachträglicher Wechsel zur abschlagsfreien Rente mit 63 ist nicht möglich. Das entschied das Sozialgericht Dortmund (Az. S 61 R 108/15). Geklagt hatte eine Frau, die im Mai 2013 in Rente gegangen ist. Da sie 19 Monate vor dem regulären Renteneintrittsalter in Rente gegangen ist, zahlt sie seitdem Abschläge in Höhe von 5,7 Prozent.

Nachdem die abschlagsfreie Rente mit 63 eingeführt wurde, wollte die Klägerin zu dieser Rente wechseln, da sie alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllte. Das Gericht argumentierte, dass die Bewilligung der Rente bindend ist. Daher sei sie an ihre ursprüngliche Rentenbewilligung gebunden und habe keinen Anspruch auf eine erneute Bewilligung bzw. Änderung der Rentenform.

Zwangsverrentung von ALG-II-Empfängern

Die Rente mit 63 steht auch Empfängern von ALG II zu. Für sie gelten die gleichen Regeln wie für freiwillige Frührentner, was bedeutet, dass auch sie pro Monat bis zum offiziellen Renteneintrittsalters 0,3 Prozent Abschläge zahlen. Besteht für einen älteren Arbeitslosen wenig Aussicht auf einen Arbeitsplatz, hat das Jobcenter das Recht, die Rente mit 63 anzuordnen. Weigert sich der Hilfebedürftige, die Rente mit 63 zu beantragen, darf das Jobcenter ihm entweder die Leistungen kürzen oder den Antrag in dessen Namen selbst stellen.

Das Bundessozialgericht in Kassel hat eine Klage gegen diese Praxis verhandelt und geurteilt, dass die Zwangsverrentung rechtmäßig ist. Für ältere Arbeitslose bedeutet das, dass sie mit Abschlägen von bis zu 9 Prozent rechnen müssen. In der Übergangszeit vom Renteneintritt bis zum Erreichen des offiziellen Renteneintrittsalters besteht kein Anspruch auf staatliche Grundsicherung. Reicht die Rente nicht aus, bleibt nur der Antrag auf Sozialhilfe, die nur gewährt wird, wenn weder Vermögen vorhanden ist, noch die Kinder des Antragsstellers Unterhalt zahlen können.

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